Winterreifen: Größe, Pflicht und Schneeketten in DE, AT und CH
Pflicht bei winterlicher Straße, ohne festes Datum. Gültig nur mit Alpine-Symbol. Gesetzlich 1,6 mm Profil.
Pflicht vom 1. November bis 15. April bei winterlicher Fahrbahn. M+S reicht, mindestens 4 mm Profil.
Keine ausdrückliche Pflicht. Wer mit ungeeigneten Reifen den Verkehr behindert oder einen Unfall verursacht, haftet.
Situative Pflicht in Deutschland
Nach § 2 Abs. 3a StVO darf bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte nur fahren, wer an allen Rädern Winterreifen hat. Ein Stichtag fehlt; maßgeblich ist der Zustand der Straße im Moment der Fahrt. Wer im Oktober auf Sommerreifen in einen Schneeschauer gerät, verstößt ebenso wie im Januar. Die Faustregel „von O bis O“, Oktober bis Ostern, ist eine Empfehlung, keine Vorschrift.
Als Winterreifen gelten seit dem 1. Oktober 2024 nur Reifen mit Alpine-Symbol, auch Ganzjahresreifen mit diesem Zeichen. Reine M+S-Reifen erfüllen die Pflicht nicht mehr, unabhängig von Alter und Profiltiefe. Die Pflicht gilt für alle Fahrzeuge, die in Deutschland fahren, auch für ausländische Autos und Mietwagen.
| Verstoß bei Glätte | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|
| Fahren ohne Winterreifen | 60 € | 1 |
| mit Behinderung anderer | 80 € | 1 |
| mit Gefährdung | 100 € | 1 |
| mit Unfall | 120 € | 1 |
| Halter ordnet die Fahrt an oder lässt sie zu | 75 € | 1 |
Nach einem Unfall mit Sommerreifen auf Schnee kann die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen; die Haftpflicht zahlt den Schaden des Gegners, eine Mitschuld wird aber wahrscheinlicher.
Winterausrüstung in Österreich vom 1. November bis 15. April
§ 102 Abs. 8a Kraftfahrgesetz verlangt in diesem Zeitraum bei winterlichen Fahrbahnverhältnissen eine Winterausrüstung. Die Pflicht greift nur, wenn Schnee, Schneematsch oder Eis auf der Straße liegen; auf trockener Fahrbahn sind Sommerreifen auch im Januar erlaubt. Als Winterreifen gelten Reifen mit M+S, Alpine-Symbol oder beidem, sofern das Profil bei Radialreifen mindestens 4 mm tief ist.
| Fahrzeug | Pflicht | Alternative |
|---|---|---|
| Pkw, Kombi, Wohnmobil bis 3,5 t | Winterreifen an allen Rädern bei winterlicher Fahrbahn | Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern, nur bei durchgehender Schnee- oder Eisdecke |
| Lkw und Busse über 3,5 t | Winterreifen auf mindestens einer Antriebsachse, vom 1.11. bis 15.4. unabhängig vom Wetter | keine; Schneeketten sind zusätzlich mitzuführen |
Bei einer Kontrolle kostet der Verstoß ein Organmandat von 35 Euro; gefährdet der Fahrer andere, sind bis zu 5000 Euro möglich. Bleibt ein Auto mit Sommerreifen hängen, kann die Polizei die Weiterfahrt untersagen. Auf Straßen mit dem runden blauen Schneeketten-Schild gilt zusätzlich Kettenpflicht, unabhängig von den Reifen.
Keine Pflicht, aber Haftung in der Schweiz
Das Strassenverkehrsgesetz verlangt, dass ein Fahrzeug betriebssicher ist und der Fahrer es jederzeit beherrscht. Eine Winterreifenpflicht steht darin nicht. Wer mit Sommerreifen auf Schnee hängen bleibt und den Verkehr behindert, wird gebüsst. Nach einem Unfall prüfen Polizei und Versicherung, ob die Bereifung den Verhältnissen entsprach; die Haftpflicht kann Regress nehmen, die Kasko die Leistung kürzen.
- Auf Passstrassen und in Bergkantonen gilt bei Schild Kettenpflicht. Die Ketten müssen dann montiert sein, in manchen Abschnitten auch nur mitgeführt.
- Ausländische Fahrzeuge unterliegen denselben Regeln; eine in Deutschland gültige Ausrüstung reicht in der Schweiz immer.
- Die Beratungsstelle für Unfallverhütung und der TCS empfehlen Winterreifen von Oktober bis Ostern und mindestens 4 mm Profil.
Mindestprofil im Winter je Land
Ein Winterreifen greift über Lamellen, feine Einschnitte in den Profilblöcken. Sie nehmen Schnee auf, und Schnee haftet auf Schnee besser als Gummi. Unter etwa 4 mm werden die Lamellen so flach, dass der Reifen auf Schnee kaum besser greift als ein Sommerreifen. Der Bremsweg auf Schneefahrbahn wächst nach Tests von Automobilclubs bei 2 mm Restprofil gegenüber einem neuen Reifen um rund ein Drittel.
| Land | Gesetzlich | Empfohlen | Folge bei Unterschreitung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 1,6 mm | 4 mm | 60 € und 1 Punkt, Halter 75 € |
| Österreich | 4 mm Radial, 5 mm Diagonal | 4 mm | Reifen gilt nicht mehr als Winterreifen |
| Schweiz | 1,6 mm | 4 mm | Busse; bei Unfall Haftungsfolgen |
Gemessen wird in den Hauptrillen mit einem Profiltiefenmesser. Die Abriebanzeiger in den Rillen zeigen nur die gesetzliche Grenze von 1,6 mm; viele Winterreifen haben zusätzlich eine Markierung bei 4 mm, oft als Schneeflocke in der Rille. Ein schneller Test: Eine 1-Euro-Münze in die Rille stecken; ist der goldene Rand noch zu sehen, liegt das Profil unter etwa 3 mm.
Schmalere Winterreifen-Größe wählen
Ein schmalerer Reifen hat eine kleinere Aufstandsfläche und damit mehr Druck pro Quadratzentimeter. Er schneidet sich durch Schneematsch bis auf die feste Schicht und schwimmt später auf. Die höhere Flanke federt Schlaglöcher ab und schützt die Felge vor Bordsteinen und Splitt. Kleinere Größen sind dazu 20 bis 40 % günstiger, ebenso die passenden Stahl- oder Alufelgen. Auf trockener Straße und bei Nässe bietet der breitere Reifen mehr Seitenhalt, deshalb fallen die Unterschiede in schneearmen Regionen kleiner aus.
| Sommer | Winter | Abrollumfang |
|---|---|---|
| 205/45 R17 | 185/65 R15 | +0,8 % |
| 225/45 R17 | 205/55 R16 | −0,4 % |
| 225/40 R18 | 205/55 R16 | −0,8 % |
| 225/40 R18 | 225/45 R17 | −0,5 % |
| 235/45 R18 | 215/60 R16 | −0,6 % |
| 235/50 R19 | 215/65 R17 | −0,9 % |
Die kleinere Felge muss über die Bremse passen. Viele Autos mit größeren Bremsanlagen sind erst ab 16 oder 17 Zoll freigegeben; die kleinste zulässige Größe steht im COC-Papier unter Ziffer 35.
Steht die Winterkombination nicht im COC, braucht die Felge ein Gutachten, das genau diese Reifengröße für Ihr Modell nennt; den Weg beschreibt Andere Reifengröße eintragen. Winterreifen dürfen einen kleineren Geschwindigkeitsindex haben als vorgeschrieben, wenn ein Aufkleber mit der Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld klebt. Weitere Größen vergleichen Sie im Reifenrechner.
Ganzjahres- und Spikereifen
Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllen die Winterpflicht in allen drei Ländern. Sie sind ein Kompromiss: Auf Schnee liegen gute Modelle nahe an Winterreifen, bei Sommerhitze bremsen sie trocken und nass länger als Sommerreifen. Für Fahrer mit unter 15 000 km im Jahr in Regionen mit wenig Schnee sparen sie den zweiten Radsatz und den Wechsel.
| Spikereifen | Erlaubt | Tempolimit |
|---|---|---|
| Deutschland | verboten; Ausnahme für Fahrzeuge aus Österreich im Grenzgebiet bis 15 km | — |
| Österreich | 1. Oktober bis 31. Mai, mit Spike-Kennzeichen hinten | 80 km/h Freiland, 100 km/h Autobahn |
| Schweiz | 1. November bis 30. April, mit Aufkleber 80 | 80 km/h; Autobahnen grundsätzlich verboten |
Schneeketten-Freigabe der Reifengröße
Eine Schneekette trägt am Reifen 9 bis 16 mm auf, an der Lauffläche wie an der Innenflanke. Dieser Platz muss zum Federbein, zum Radhaus und zu Bremsleitung und Sensoren frei sein. Hersteller geben Ketten deshalb oft nur für eine oder zwei Reifengrößen frei, meist die schmalste im COC. Auf breiten Größen kann die Kette beim Einfedern Bremsschläuche, ABS-Kabel oder Radhausschalen abreißen.
- In der Betriebsanleitung nachsehen, für welche Größe Ketten freigegeben sind und welche Gliedstärke erlaubt ist.
- Bei Felgen mit Gutachten die Auflage zu Schneeketten prüfen; ein Kettenverbot ist bei breiten Kombinationen häufig.
- Kette für die genaue Reifengröße kaufen. Für enge Radkästen gibt es Ketten mit 7 bis 9 mm Gliedstärke, die nach ÖNORM V 5117 geprüft sind.
- Ketten auf die Antriebsachse montieren. Bei Allrad gibt der Hersteller die Achse vor, meist vorn.
- Vor dem Winter einmal zur Probe auflegen und nach 100 m Fahrt nachspannen.
Mit Ketten gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz höchstens 50 km/h, auf schneefreier Straße müssen sie herunter. Textilschneeketten sind leichter zu montieren und in Österreich zulässig, wenn sie die ÖNORM V 5121 erfüllen. Für Autos ohne Kettenfreigabe bleiben Schneesocken mit Freigabe des Herstellers oder ein Satz Winterräder in der kleineren Kettengröße.